Deutschstunde

Schon lange Zeit kämpft der Leiter der Interessengemeinschaft unabhängiger Musikverlage, Michael Kudritzki, für deutsche Musik. Dass es die gibt, ist ja eh klar, nur wird sie im Rahmen unserer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu selten gespielt: Der „Auslandsanteil“ betrage nach Kudritzki angeblich bei den Öffentlich-Rechtlichen über 70, bei den Privaten gar 95 Prozent. Schlimm genug, dass sich sogar deutsche Musikverlage mit ausländischen Komponisten schmücken. Alarm! Also Quote her, damit Deutschland wenigstens zur Hälfte wieder den deutschen Musikschaffenden gehört: Michelle (dumm gelaufen mit dem Namen) statt Caterina Valente. Auf in den Kulturkampf, es geht schließlich um die Currywurst (aber ohne indisches Curry) und den Hamburger (aber ohne Hamburger – Boulette oder Frikadelle wären wohl zu frankophon).

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Biedermeier - Konzerte für Kinder

„Konzerte für Kinder“ nennt sich eine Initiative der Jeunesses Musicales Deutschland. Dieser Initiative geht es um bessere Konzerte für Kinder. Das ist schön, das ist nett. Denn in der Tat ist allzumal das deutsche Konzertleben gekennzeichnet durch alte eingeschworene Rituale einer verglimmenden bürgerlichen Musikkultur. Dass eine derartige Musiktradition für das junge Publikum größtenteils uninteressant ist, darüber dürfte Einigkeit bestehen.

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Böse Onkels und die Leitkultur

Die Welt ist rund. Da ist es ein unerträglicher Anachronismus, plötzlich von einer Tradition zu reden, die man sich im Gewirr der universalen Netze einfach erfindet: deutsche Leitkultur schallt es da aus den politischen Provinzhirnen. Und dabei ist man sich ja nicht einmal im Klaren, wie es denn um unsere Kulturlandschaft bestellt ist. Da gibt es zum Beispiel sogenannte „national befreite Zonen“, Versuche „deutsche Musik“ im Radio über die Quote zu „emanzipieren“. Kann eine so verdorbene Kultur zur Leitkultur avancieren? Wohl kaum.

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In den Welten und vor allem dazwischen

Der Zitherspieler Robert Zollitsch kennt keine Berührungsängste

Als ich Robert Zollitsch das erste Mal traf, war es auf dem internationalen Folk- und Tanzfestival in Rudolstadt, da gehörte er für mich wie so viele aus dieser Branche in die Ecke des naiven Exoten. Und dann spielte er auch noch Zither, ein Instrument, welches durch Benutzung in zahlreicher volkstümelnder Musik ohnehin problematisch war. Dieses schiefe Bild wurde unmittelbar korrigiert, als ich ihn spielen hörte. Da war ein musikalisches Engagement entwickelt, das gegen den gegenwärtigen musikalischen und lyrischen Beliebigkeitsbrei Position bezog, ohne abgedroschene und antrainierte Rhetorik wiederzukäuen. Ob nun die musikalischen Einflüsse aus Bayern oder der Mongolei stammten, war bedeutungslos. Da war nun einer auf der Bühne, mit einer Präsenz und einer genau definierten Freundlichkeit. Im Gespräch beim Frühstück am nächsten Morgen verdichtete sich dieses Bild. Da saß kein weltabgewandter Mensch neben mir, sondern einer, der sich immer am Ort befand und selbst auf meine manchmal recht verquirlten Fragen ernsthaft-schmunzelnd einging. Er ist schon ein besonderer Mensch, der Robert Zollitsch.

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Ein Buch für den Einstieg

Musik ist dank des Kompressionsverfahrens mpeg layer 3 (kurz MP3) zu einer im Internet hoch bedeutenden Angelegenheit geworden. Dennoch ist für viele die Nutzung von Musik im Internet immer noch ein Geheimnis. Janko Roettgers hat ein Buch verfasst, in dem in dieses Thema ausführlich eingeführt wird. Das reicht von Software-Konfigurationen über das MP3-Mixen, das Promoten eigener Songs im Netz bis zur Internet-Radio-Sendung. Sicherlich liegt der musikalische Schwerpunkt auf populärer Musik, allerdings auf „avancierter“ (Björk statt Blümchen, Mouse on Mars statt ATC; dazu übrigens Anhang 3: Soundtrack).

Bibliographische Angaben: 

Janko Roettgers: Netbeats – Musik im Internet, Markt + Technik, ISBN 3-8272-5821-9, 29,95 Mark

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Das Rauhe und das Glatte

Studien zur Ästhetik des Nicht-Perfekten

Wenn man dem Werbefernsehen Glauben schenken will, dann ist sauber noch nicht rein. Es reicht für die Wäsche nicht mehr hin, weiß zu sein: Sie muss weißer sein als weiß. Warum sollte sich ein solches Bewusstsein nicht auch in der Rezeption von Musik niederschlagen. Auf Hochglanz polierte Schallplattenaufnahmen, die in ihrem äußeren wie inneren Erscheinungsbild den musikalischen Saubermann repräsentieren.

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Die Aktie Mensch

Die Zeiten haben sich grundlegend gewandelt. Zwar hat mein Vater vor 20 Jahren auch eine Aktie gehabt, aber es war nur eine und die war von einem Autokonzern, dessen Autos er nie gekauft hätte. Er berichtete gerne von den vor Ort stattfindenden Aktionärshauptversammlungen. Denn es gab Grillwurst und er konnte mal alle Autotypen testfahren. Ab und an gab es auch eine Dividende.

Als Kind vor 25 Jahren spielte ich gerne das Börsenspiel und ich liebte vor allem die Shell-Aktie der Form und Farbe wegen. Das wussten meine Mitspieler natürlich und so konnte aus mir nix werden – ich verlor grundsätzlich. Aber auch den Führerschein habe ich nie gemacht und sowieso meide ich verhäckseltes gegrilltes Fleisch. Als nun in meiner Umgebung zahlreiche Menschen wie die Lemminge auf eine infinitive Aktie zurannten, wurde mir bange. Hatte ich etwas falsch gemacht, haben gar meine Eltern und Geschwister etwas falsch gemacht mit mir?

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Der innere Browning oder: Mit Musik im Bilde

„Wie kommt es, dass immer mehr Deutsche Marshall Göring zustimmen, der sich seinerzeit brüstete, ‚Wenn ich das Wort Kultur höre, ziehe ich meinen Browning‘? Was ist geschehen, dass – wir reden von den Massenmedien – die Massen flüchten, wenn Kultur angesagt ist? Hat sich die Gesellschaft geändert – oder gar die menschliche Gattung? Oder stimmt das alles gar nicht?“ fragt sich in dem bei Suhrkamp erschienenen Buch „Televisionen“ Volker Panzer, Leiter und Moderator der Sendung nachtstudio im ZDF.

Buchtitel Suhrkamp (Montage: Hufner)

Bibliographische Angaben: 
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Einsame Masse und flexible Menschen

Die neue Steinzeit der öffentlichen Kommunikation

Im Medium des Internets scheint sich der traditionelle Subjekt-Begriff langsam aber stetig aufzulösen. Damit wird eine Entwicklung vollzogen, die sich seit dem Aufklärungsprozess der abendländischen Kultur seit dem 18. Jahrhundert zweischneidig abzeichnete: In dem Moment, da sich Menschen als Subjekte sozialen Handelns verstanden, lösten sie die traditionalen und kultischen Elemente ihrer Handlungsweisungen auf. Individuelle Lebenspraxen treten damit aber immer stärker an die Stelle gemeinschaftlichen Handelns. Der Soziologe David Riesman fand dafür das Wort der „Lonely Crowd“, der „einsamen Masse“. Richard Sennett nennt es den „flexiblen Menschen“, der haltlos durch die Gesellschaft driftet.

Im Internet gibt es nun sehr viele individuelle und unzusammenhängende Lebensentwürfe. In diesem Ausmaß neu ist dabei die Möglichkeit, Identitäten zu verschleiern und zu verändern. Man kann x-beliebige Identitäten annehmen und tritt dabei jedoch subjektiv stark auf. Immer wieder muss man sich die Frage stellen, wer ist es, mit dem ich da kommuniziere? Den handelnden Subjekten ist es möglich, anonym zu bleiben oder sich zu anonymisieren. Alles wird zu einem Spiel, dessen Ernsthaftigkeit immerzu infrage steht. Sicherlich steht hinter den Maskierungsvorhängen häufig ein spielerisches Moment. Das ist aber nur die eine Seite. Die andere ist überwachungstechnischer Natur. Es ist theoretisch ein Leichtes, diese Identitäten im Internet zu überwachen. Die digitalisierten Subjekte generieren Informationsströme, die an allen möglichen Stellen abgefangen werden können. Dass dergleichen passiert, bestreitet niemand.

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Jenseits des Eigentums – Zur Theorie des „Copyleft“

GNUsic, GPL und Fairness als alternative Rechtsprinzipien im Urheberrecht

Die Frage nach dem geistigen Eigentum in der Musik ist durchaus nicht so einfach entschieden, wie man denkt. Das Urheberrecht des Schöpfers eines Werkes ist in Deutschland unveräußerlich, das ist klar und wird von niemandem bestritten oder in Zweifel gezogen. Doch wie man Sinn und Zweck des Urheberrechts beurteilt, das kann keineswegs als ausgemacht gelten. Das deutsche Bezugssystem aus Rechtformen (Grundgesetz und Urheberrecht) und Verwertungsgesellschaften (GEMA) besetzt die öffentliche Diskussion über Urheberrechte im Bereich der Musik so sehr, daß alternative Ideen und Konzeptionen nur selten untersucht oder dargestellt werden. Daß sich in diesem Sektor dennoch etwas tut, ist keine Folge einer neuen Grübelei über das Urheberrecht. Vielmehr sind solche Konzeptionen durch die jüngsten technischen Entwicklungen, namentlich von Seiten des Internets, forciert worden. »»»

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